Runen Das phönizische Erbe?

So viel ist klar: Die Runen sind das älteste Schriftsystem der Germanen. Über den Ursprung der Schriftzeichen sind sich die Sprachforscher uneins.

Professor Theo Vennemann vom Institut für Deutsche Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München vermutet die Wurzeln im phönizischen Alphabet. Und zwar unmittelbar und ohne Umwege über andere Schriftsysteme, schrieb der Wissenschaftler im November in der Fachzeitschrift „Sprachwissenschaft“.

Vennemann zufolge gebe es sprachliche und kulturelle Fakten, die für direkte Kontakte zwischen Germanen und Phöniziern sprächen. Laut Vennemanns Theorie ist die Runenschrift mit der westlichsten Variante des Phönizischen verwandt – wie es im karthagischen Reich in Nordafrika gesprochen und geschrieben wurde. Ein Beispiel: Im Karthagischen hatte der erste Buchstabe die Gestalt eines F. Im Germanischen hat dieser Buchstabe nicht nur die Gestalt, sondern auch den Lautwert eines F, da der Name des Buchstabens Aleph im Phönizischen wie in allen semitischen Sprachen „Rind“ bedeutet, was die Germanen mit „Fehu“ (Vieh) wiedergaben. Und auch das Runenalphabet beginnt zudem mit dem F.

Vennemann vermutet, dass die Germanen das Schreiben direkt von den karthagischen Seefahrern gelernt haben. Vom Etruskischen oder Lateinischen – deren Schriftsysteme von anderen Wissenschaftlern als Ursprung der Runen in Betracht gezogen werden – unterscheidet das phönizische Alphabet vor allem der Gebrauch der Konsonanten. Dieser Unterschied sei auch im Runenalphabet nachweisbar, meint Vennemann. Die ältesten Runenfunde entstammen zudem dem europäischen Norden, rund um Nord- und Ostsee, und nicht aus Regionen in Nachbarschaft zum römischen Imperium.

Artikel aus der Rubrik „Chronik“

  • Auf Kreuzfahrerspuren in Israel

    Eine Reise, die 2009 durch Israel und Jordanien führte. Hinein in die Geschichte, zu touristischen Juwelen und aktuellen Themen des Nahen Ostens. Dieser Bericht folgt den Spuren eines gewissen Friedrichs II.

  • Roland - ein europäischer Mythos

    Das größte Heiligtum Dubrovniks, des ehemaligen Stadtstaates an der Ostadria, war die Freiheit. Non bene pro toto libertas venditur auro, „Freiheit kann um kein Gold dieser Welt verkauft werden“, steht an der Mauer der Festung Lovrjenac.…

  • Die älteste Stadt

    „Vor Rom stand Trier eintausend und dreihundert Jahre“ behauptet eine mittelalterliche Handschrift am Roten Haus am Trierer Hauptmarkt. Die These ist gewagt, doch das damit verbundene Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Konstantin…

  • Auf den Spuren des Decimus Iunius Brutus

    Unterwegs in Sachen „lebendige Geschichte“: Torsten Kreutzfeldt, der sich als Darsteller den frühmittelalterlichen Stadtbewohnern in Zentralspanien widmet, reiste nach Iberien.

1 Kommentare

  1. Eine erwägenswerte These. Mediterrane Kauffahrer brachten ihr Wissen via Rhone und Rhein zu den Nordsee-Anwohnern (vgl. Funde im versunkenen Runghold), lehrten ihr Wissen über den Winter, bevor sie im Frühjahr südwärts rückkehrten. Für die Germanen war das eine Erweiterung ihres Weltbildes, die sie in die Lage versetzte, ihre Vorstellungen in Schrift und Zahl umzusetzen.

    17. Oktober 2010, 21:10 Uhr • Melden?
    von Becker
    1

Ihr Kommentar zum Artikel „Das phönizische Erbe?“


Sie sind angemeldet als

abmelden