Die Pilgerin Exklusive Vorschau zum ZDF-Zweiteiler

Josefine Preuß nimmt als Tilla im neuen ZDF-Event-Zweiteiler Die Pilgerin das Kreuz. © ZDF / Jiri Hanzl / Pressefoto

Die Sat1-Verfilmung „Wanderhure“ kam bei Reenactors nicht gut weg. Jetzt hat das ZDF mit „Die Pilgerin“ ebenfalls Stoff der Bestsellerautoren Iny Lorentz verfilmt. Wir zeigen exklusiv einen ersten Clip vom Dreh.

Sender setzt auf Geschichte

Heike Hempel, Redaktionsleiterin Fernsehfilm/Serie, umschreibt das Ziel der Filmcrew: „Mit dem Event-Zweiteiler möchten wir das Mittelalter zeitgemäß erzählen.“ Die beiden Teile werden im Januar ausgestrahlt (siehe Terminbox rechts in der Sidebar). Das ZDF setzt mit einem Mehrteiler zum Jahresbeginn eine Tradition fort, die zuletzt zu Produktionen wie „Das Adlon“, „Die Rebellin“, „Krieg und Frieden“, „Afrika, mon amour“, „Die Patriarchin“, „Napoleon“, „Die Affäre Semmeling“ und andere führte. Die Liste zeigt: Mit Geschichte lässt sich auch Quote machen.

Tilla (Josefine Preuß, links) findet eine seltsame Gesellschaft im Haus der Willingers vor (v.l.n.r.): Zwei Priester, Radegund Gürtler (Muriel Wimmer), ihr Bruder Otfried Willinger (Volker Bruch), und Radegungs Onkel Veit (Dietmar Bär). © ZDF / David Slama / Pressefoto

Nun soll also das Buch „Die Pilgerin“ des Autorenpaares Elmar Wohlrath und Iny Klocke – alias Iny Lorentz über den Bildschirm flimmern. Ich zitiere den Plot mal aus den Pressenotizen vom ZDF: „14. Jahrhundert, Freie Reichsstadt Tremmlingen: Eine junge Frau (Josefine Preuß) begehrt auf gegen ihren Bruder (Volker Bruch) und macht sich, verkleidet als Mann, auf den gefährlichen Weg nach Santiago de Compostela. Den zahlreichen Gefahren auf der weiten, unsicheren Reise nach Spanien trotzend, versucht sie den letzten Willen ihres Vaters zu erfüllen – sein Herz nach Santiago de Compostela zu bringen. Eine Reise voller Ungewissheiten und Gefahren, ein wirkliches Abenteuer.“

Tilla ist Tochter eines Kaufmanns. Der stirbt und verfügt, dass sein Herz in Santiago de Compostela begraben werden soll. Der Sohn hat darauf wenig Lust; die Tochter nimmt das Kreuz im Wortsinne auf sich. So beginnt in der Romanvorlage die Handlung.

Ihre Meinung ist gefragt

Regisseur Philipp Kadelbach (Unsere Väter, unsere Mütter) bekam den Auftrag für das Historiendrama. Programmdirektor Norbert Himmler lobte die Arbeit: „Es ist ein wildes, ungeschminktes Bild des Mittelalters“.

Wir haben bei chronico das ein oder andere Lorentz-Buch schon besprochen. Sie treffen den Geschmack vieler, sicher aber nicht aller geschichtsinteressierten Leser. Zuweilen ähneln sich die Plots. Doch unabhängig davon: Natürlich kann man den Stoff hernehmen und einen anständigen historischen Streifen drehen, dessen Dramaturgie und Ausstattung Spaß machen. Ob das im Fall der „Pilgerin“ gelungen ist, will ich mir vor der Ausstrahlung mal ansehen; der Pressestream steht bereit.

Es wird also bald eine ausführliche Besprechung geben. Einen ersten Einblick wollen wir Ihnen, liebe Leser, schon an dieser Stelle geben. Das ZDF stellte uns den jetzt folgenden Clip für drei Tage exklusiv zur Verfügung. Bis einschließlich Mittwoch, 11, Dezember, gibt es ihn so nur bei uns zu sehen. Schauen Sie mal – und sagen Sie uns Ihre erste Meinung. Zur Ausstattung, dem Set und was Ihnen sonst auffällt; das berücksichtige ich in der Besprechung. Und denken Sie daran: Es geht ums 14. Jahrhundert.

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10 Kommentare

  1. Oi Gewalt, ein Fantasyfilm. Mit Schrecken habe ich erst im Nachklapp bemerkt, dass das Öffentlich-Rechtlich ist. Von der Ausstattung hätte ich jetzt auf privates Gehampel getippt. Ich frage mich mal wieder, wofür ich eigentlich Rundfunkgebühren bezahle ….

    09. Dezember 2013, 15:12 Uhr • Melden?
    von Thorsten Piepenbrink
    1
  2. Bedauerlicherweise bezahlt das ZDF für das Rezensieren dieses Films keine Schmerzzulage ;)

    Außerdem musste ich bei diesen zerlumpten und schmutzigen Gestalten sofort an folgendes denken:
    Youtube-Link

    09. Dezember 2013, 16:12 Uhr • Melden?
    von Hiltibold
    2
  3. Was kann oder soll so ein Film leisten?
    A) Zuschauer in das Mittelalter, so wie es (annähernd) war, entführen, mit Kleidung, Ausstattung, Aussehen etc. der Zeit. ZIel nicht erreicht, zu Klamotten / Farben / Ausstattung haben sich schon einige geäußert hier und auf FB. Wäre mir persönlich gar nicht soo wichtig, wenn B) stimmig wäre:
    B) Zuschauer, in das Mittelalter s. o. entführen, indem eine Handlung präsentiert wird, die das damalige Lebnsgefühl, die damalige Lebens- und Denkweise der Menschen anschaulich vermittelt. Leider, wie in der Regel bei derartigen Produktionen, noch schlimmer versagt wie bei A) – der Beschreibung nach die übliche romantische Räuberpistole im Stil des 19./20. Jahrhundert “junge Frau lehnt sich gegen XY auf blabla”. Es gäbe auch wenn man in der Zeit bliebe einiges an starken Frauenfiguren zu porträtieren, aber nicht so. Hoffen könnte man eventuell noch auf
    C) Zur Hölle mit dem Mittelalter, aber ist die Story wenigstens logisch und spannend, siind die Charaktere glaubhaft, ist es spannend oder suhlt sich nur wieder jemand in Blut, Dreck und Gewalt, weils immer so gut zieht….?
    Ich habe leider auch wenig Hoffnung, was C) betrifft.

    09. Dezember 2013, 16:12 Uhr • Melden?
    von KatrinA
    3
  4. @KatrinA
    Werde A, B und C beim Filmegucken im Auge behalten.

    09. Dezember 2013, 16:12 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    4
  5. Der Markt scheint “Monty Python and the Holy Grail” entlehnt zu sein. Man erkennt den König daran, dass er als einziger nicht über und über mit Scheiße beschmiert ist.

    09. Dezember 2013, 17:12 Uhr • Melden?
  6. @Hiltibold:
    Danke für deinen Link zum “Ironclad”-Kommentar bei YT. Hab mich sehr amüsiert; die “Wikinger” haben es mir angetan.
    (Wer es nicht kennt: “Ironclad” spielt im HMA, die Kostüme sind fröhlich mit anderen Epochen gemischt oder komplette Fantasye; das nimmt der Kritiker in dem oben verlinkten Video genüsslich auseinander)

    09. Dezember 2013, 17:12 Uhr • Melden?
    von Marcel Schwarzenberger
    chronico
    6
  7. Ehrlich gesagt, wüsste ich bei diesem Film nicht, wo ich mit konstruktiver Kritik beginnen sollte. Die Story ist Klischee und nicht zeitstimmig, die Kostüme und die Ausstattung sind unter aller Sau (mir gefallen besonders die Hellebarden aus dem 16./17. Jhdt. in Verbindung mit den Spangenhelmen) und ich habe das Gefühl, dass die Macher das Mittelalter nur aus den diversen Wanderhuren-Werbeträgern zusammen geklaubt haben …
    Habe jetzt erst mitgekriegt, dass der Film im 14. Jahrhundert spielen soll … ich habe ehrlich gesagt nichts gefunden, was mich auch nur ansatzweise an diese Zeit, für die ich mich seit rund 15 Jahren interessiere, erinnert. Ansonsten bin ich bei Katrin und werde mit Sicherheit mir diesen Schmarrn nicht antun. Dann lieber die Ironclad-Verhohnepiepelungen… Vielleicht macht sich ja mal jemand die Mühe diesen Film auseinander zu nehmen.

    09. Dezember 2013, 18:12 Uhr • Melden?
    von Thorsten Piepenbrink
    7
  8. Stimme Thorsten zu. Unter aller Sau ist der einzig passende Begriff für diese Kostüme. Die gezeigten Bilder haben nicht mal ansatzweise etwas mit dem 14. Jhdt zu tun. Und das find ich für einen Sender mit Bildungsauftrag jetzt schon erstaunlich, denn es gibt eine Menge Vorarbeiten gerade zu DIESEM Thema von vielen engagierten Laien und Profis. Es wäre mit ca 15 Minuten Googlerecherche unheimlich einfach gewesen, zumindest den Look des Jahrhunderts halbwegs aufzugreifen, und das wäre auch nicht aufwändiger gewesen als diesen Lumpenschmarrn hier zu produzieren.

    Aber das ist jetzt vermutlich schon zu spät, ist ja schon abgedreht. Vielleicht fragt das ZDF ja nach zwei vollständigen Reinfällen das nächste Mal VORHER andere nach ihrer Meinung/ihrem Fachwissen, dann muss man sich nacher nicht ganz so übel verreißen lassen.

    09. Dezember 2013, 23:12 Uhr • Melden?
    von Rotschopf
    8
  9. und kann im ZDF Kostümausstatterteam eigentlich niemand Säume versäubern???

    09. Dezember 2013, 23:12 Uhr • Melden?
    von Rotschopf
    9
  10. Wer Bücher von Iny Lorenz gelesen hat weiß, dass sie zwar im Genre “historischer Roman” angesiedelt sind, aber lediglich Geschichten in einem anachronistischen Setting erzählen. Hauptthemen sind Liebe, Eifersucht und sehr viel Sex. Um “Geschichte zeitgemäß zu erzählen”, taugen sie damit jedoch nicht. Daher wäre es auch Unsinn, die Schauspieler in historische Kostüme zu stecken.
    Wenn man den Film als das verkaufen würde, was er ist – Fiktion nämlich – hätte ich damit kein Problem. Was mich ärgert, sind der Etikettenschwindel, der hier betrieben wird und die Tendenz, das Publikum für dumm zu verkaufen.

    10. Dezember 2013, 08:12 Uhr • Melden?
    von Carola O
    10

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